DER HASS DER FUSSGÄNGER

Ich bin jetzt seit ein paar Wochen wieder mit dem Fahrrad unterwegs. Die letzten 10 Jahre in Köln bin ich so gut wie nie mit dem Rad gefahren, da es mir einerseits am fahrbaren Untersatz fehlte und ich mir andererseits auch sagte, dass der ÖPNV in Köln absolut ausreichend ist (und ich bin auch immer noch der Meinung, dass der ÖPNV in Köln super ist). Außerdem hab ich mir auch immer gedacht, dass einem in der großen Stadt, eh nach ’nem halben Tag das Fahrrad von der Straße geklaut wird.

Wie dem auch sei, hatte ich letzten Monat das innere Bedürfnis, doch mal wieder mit dem Rad zu fahren und hab mir kurzerhand ein neues Rad zugelegt. Was soll ich sagen… nach knapp 300 gefahrenen Kilometern könnte ich mir jetzt schon hart in den Arsch treten, dass ich diesen Schritt nicht schon viel früher gemacht habe. Ich liebe die Freiheit des Radfahrens, den Wind der einem durchs Gesicht zieht, die körperliche Ertüchtigung – ein großartiges Gefühl. Jetzt komme ich aber nunmal gebürtig vom Land und das fahren in der Stadt ist für mich immer noch ein wenig ungewohnt. Ebenfalls recht ungewohnt für mich ist der Hass der Fußgänger gegenüber Fahrradfahrern und wie sie ihn zum Ausdruck bringen.

Grundsätzlich bin ich meist recht zügig unterwegs und nutze daher die Straße (schön in Köln ist, dass einige (Auto-)Straßen bereits eine extra Radführung haben). Auf stark befahrenen Straßen oder „Stadtautobahnen“ nutze ich natürlich dann doch lieber den Radweg – und auch hier muss man sagen, dass Köln da ziemlich gut ausgestattet ist. Es gibt aber nunmal auch ein paar wenige Abschnitte in der Stadt die keinen Radweg, sondern nur einen Fußweg bereitstellen – die Straße selbst ist eine einspurige Einbahnstraße. So auch auf einem kleinen Teilstück meines Wegs zur Arbeit. Auf dem Hinweg ist es kein Problem, da ich einfach die Einbahnstraße zusammen mit den Auto nutze, aber der Rückweg ist da leider komplizierter. Dadurch das die Spur recht eng ist kann ich die Straße nicht nutzen und auch alle Nebenstraßen sind entweder Einbahnstraßen oder bedeuten einen großen Umweg – also nutze ich auf einer Strecke von knapp 200m den Fußweg.

Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich äußerst rücksichtsvoll fahre. Gestern z. B. hatte ich einen Jogger vor mir. Da ich es nicht für angebracht halte auf dem Stück die Klingel zu nutzen (a la „Du bist nur Gast hier, also pöbel nicht rum“), bin ich brav hinter ihm her gefahren, da der Bordstein leider auch so zugeparkt ist, dass ich nichtmal ansatzweise an ihm vorbei gekommen wäre. Er bog dann an der nächsten Kreuzung ab und ich hatte den Bordstein für mich allein.

Bildschirmfoto 2016-04-29 um 18.13.21

Wie ihr sehen könnt, fahre ich auf dem Stück wirklich langsam – allein schon vor dem Hintergrund, dass aus den Häusern ja jemand kommen könnte der nicht mit mir rechnet. Beide Hände immer an den Bremsen und absolut bremsbereit. Dennoch kam mir dann gestern noch eine 2. Joggerin entgegen, die trotz meines Augenkontakts und meiner nochmal mehr verlangsamten Fahrweise nicht wusste ob sie jetzt Links oder Rechts an mir vorbei joggen sollte. Ich war extra schon weit nach Links an den Rand gefahren, damit sie vollen Platz hatte, aber sie hatte leider auch schon von mir aus linken Pfad eingeschlagen. Ich nahm dies wahr und zog sofort nach Rechts, aber auch sie schlug dann um auf die Rechte Spur – das übliche Hin- und Her … ihr kennt das bestimmt. Also bremste ich hart und stieg ab, so das sie selbst entscheiden konnte wie sie an mir vorbei laufen soll – es ist ja vermutlich einfacher ein stehendes Hindernis als ein bewegtes zum umschiffen. Nun ja, sie schaffte es dann auch an mir vorbei zu kommen, konnte sich aber dann nicht verkneifen mir noch ein „Das ist ’n Fussweg zu dummer Trottel!“ ins Gesicht zu schreien, als sie mich kreuzte. Ich wunderte mich nur und fuhr weiter.

Ebenso am Tag davor. Ich befand mich auf dem extra ausgelegten Fahrrad weg am Neumarkt. Ich war in Eile und fuhr zügig (vermutlich so um die 25-30 km/h). Der Neumarkt ist ja immer gut besucht und daher fahre ich dort immer sehr vorausschauend. Zurecht wie ich feststellen sollte. Denn ein Mann mit Kopfhörern in den Ohren fing einfach an vom Fussweg nach Links zu laufen – also quasi direkt in meine Bahn auf den Fahrradweg. Ich klingelte also 2-3 Mal, aber er reagierte nicht. Ich klingelte erneut, doch wieder keine Reaktion. Also fing ich an die menschliche Klingel einzusetzen. Ich fing an zu rufen: „Vorsicht! VORSICHT!! VOOOOORSICHT!!!“ aber auch hier wieder keine Reaktion (vermutlich hatte er gute Mukke auf den Ohren). Ich war natürlich schon langsamer geworden, aber durch das Geklingele und Gerufe waren schon einige Sekunden vergangen und ich ihm näher gekommen. Da er konstant weiter den Radweg kreuzte, blieb mir nichts anderes übrig als ihn von rechts zu umfahren (links war kein Platz mehr). Ich fuhr also einen schnellen, engen Schlenker rechts um ihn rum um ihn nicht über den Haufen zu fahren. Alles gut gegangen – naja fast, denn der schien durch mein plötzliches Erscheinen von rechts erschrocken zu sein, was zur Folge hatte, dass er mir erstmal eine Schimpftirade hinterher brüllte: „EEEEYYYYY! AUFPASSEN! KLINGELN! VERDAMMTE RADFAHRER IMMER! VOLLIDIOT!!!“.

Nun mal Butter bei die Fische… woher kommt dieser Hass. In beiden Fällen war ich rücksichtsvoll und habe m. E. nichts falsch gemacht. Klar, beim ersten Fall habe ich den Fussweg benutzt, aber dennoch versucht niemanden zu drängen oder gar zu gefährden. Und im zweiten Fall… ich mache alles richtig, er macht alles falsch und beschimpft mich dann auch noch als Vollidioten?! Woher kommt dieser Hass der Fußgänger? Mir war das nie bewusst. In meiner Heimat auf dem Land ist es nie zu solchen Situationen gekommen und in der Zeit in der ich selbst als Fußgänger in der Stadt unterwegs war/bin, habe ich zumindest nie einen solchen Hass gegenüber Radfahrern verspürt. Ich bin wirklich ein verwirrt.

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